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SEA/Google Ads19. April 202610 min Lesezeit

Google Ads AI Max: Was das DSA-Ende für Agenturen wirklich bedeutet

Ab September 2026 werden Dynamic Search Ads zwangsweise auf AI Max umgestellt. Was Google als unkompliziertes Upgrade verkauft, ist in der Praxis ein tiefgreifender Strategiewechsel — mit hohem Risikopotenzial für unvorbereitete Agenturen.

Executive Summary

Google beendet im September 2026 Dynamic Search Ads (DSA) und stellt alle betroffenen Kampagnen automatisch auf AI Max for Search um — ein KI-gesteuertes Enhancement-Layer, das Keyword-Matching, Anzeigentexte und Ziel-URLs dynamisch optimiert. Die offiziellen Google-Zahlen klingen verlockend: bis zu 27 % mehr Conversions bei gleichem CPA. Unabhängige Analysen aus über 250 Kampagnen zeichnen jedoch ein ernüchterndes Bild: 84 % der Werbetreibenden erzielen neutrale oder negative Ergebnisse. Für Agenturen bedeutet das: Wer die Migration passiv abwartet, riskiert Budgetverschwendung, unkontrollierte Ziel-URLs und Qualitätseinbrüche. Wer proaktiv handelt, kann AI Max als echten Performance-Hebel nutzen.


AI Max ist kein neuer Kampagnentyp — sondern ein Kontrollverlust-Risiko

Das häufigste Missverständnis zuerst: AI Max ist keine neue Kampagnenform wie Performance Max. Es ist ein Feature-Layer, der über bestehende Suchkampagnen gelegt wird und drei Funktionen aktiviert:

  1. Search Term Matching — erweitert das Keyword-Matching weit über Broad Match hinaus auf intent-basierte Suchanfragen, für die kein Keyword existiert
  2. Text Customization — Gemini generiert Headlines und Descriptions dynamisch in Echtzeit
  3. Final URL Expansion — die KI wählt eigenständig die Landingpage aus der gesamten Domain

Ohne ein solides Fundament klassischer Suchkampagnen kann AI Max nicht funktionieren. Wer glaubt, AI Max sei ein Ersatz für strukturierte Keyword-Arbeit, hat das Produkt grundlegend missverstanden.

Die eigentliche Brisanz liegt in der automatischen Migration im September 2026: Google aktiviert bei der Zwangsumstellung standardmäßig alle drei Funktionen — inklusive Final URL Expansion. Wer vorab keine URL-Ausschlüsse definiert, riskiert, dass bezahlter Traffic plötzlich auf Datenschutzseiten, Blogartikel oder veraltete Testseiten geleitet wird.

Was bedeutet das für Agenturen?

Sofortmaßnahme: Bestandsaufnahme aller laufenden DSA-Kampagnen und URL-Strukturen der jeweiligen Kunden-Domains. Welche URLs sollten unter keinen Umständen als Ziel-URL für Paid Traffic dienen? Diese Liste muss vor September in den Kampagnen als Ausschlüsse hinterlegt werden — am besten bereits jetzt in der freiwilligen Migrationsphase (April bis August 2026).


Was Google verspricht vs. was die Daten zeigen

Google bewirbt AI Max mit konkreten Zahlen:

Die unabhängige Realität aus Agentur-Analysen sieht anders aus:

  • 84 % der Werbetreibenden berichten von neutralen oder negativen Ergebnissen (Analyse von 250+ Kampagnen, WordStream/Search Engine Land)
  • Medianer CPA-Anstieg: +16 % bei einem gleichzeitigen Umsatzplus von 13 % — kein effizienter Deal
  • Im Retail-Sektor: ROAS bis zu 35 % unter dem traditioneller Match-Typen
  • Cost-per-Conversion in einem dokumentierten Test: 100,37 $ (AI Max) vs. 43,97 $ (Phrase Match)
  • 54 % der AI Max-Conversions werden aus anderen Kampagnen im selben Account kannibalisiert — der tatsächliche inkrementelle Uplift liegt oft bei nur ca. 3 %
  • Eine Analyse von 30.000 Suchbegriffen (The Monks Agency) ergab: 99 % der AI Max-Impressionen generierten null Conversions

Das Kleingedruckte, das Google nicht bewirbt: Die offizielle +14%-Behauptung schließt Einzelhändler explizit aus. Der Retail-Sektor wurde aus den Durchschnittswerten herausgerechnet, weil die Ergebnisse dort zu schwankend sind.

Was bedeutet das für Agenturen?

Setze nie Google-eigene Benchmarks als Verkaufsargument gegenüber Kunden ein, ohne die Einschränkungen zu benennen. Führe stattdessen für jeden Kunden einen kontrollierten A/B-Test durch (One-Click Experiment, 50/50-Split, mindestens 4–6 Wochen), bevor AI Max für den gesamten Account ausgerollt wird. Die Lernphase von 14–21 Tagen muss in die Testzeitraum-Planung einkalkuliert werden.


Die Account-Voraussetzungen, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden

AI Max ist nicht universell einsetzbar. Die Praxis hat klare Mindestanforderungen herausgearbeitet, die über Performance oder Budgetverschwendung entscheiden:

Conversion-Volumen Google nennt offiziell kein Minimum — die Realität widerspricht dem. Unter 30 Conversions pro Monat agiert AI Max hochgradig erratisch. Als stabiler Schwellenwert haben sich 100+ monatliche Conversions pro Kampagne etabliert. Unterhalb dieser Grenze sollte AI Max nicht aktiviert werden.

Budget Google kommuniziert, dass 50 USD Tagesbudget ausreichen. Tests zeigen: Erst ab einem Budget von ~750 USD/Tag (bzw. dem 15-fachen des Ziel-CPAs) erzielt AI Max stabile Ergebnisse. Bei budgetlimitierten Kampagnen zieht AI Max Budget von funktionierenden Keywords ab und pumpt es in experimentelle Suchanfragen.

Gebotstrategie "Maximize Conversions" ohne Ziel-CPA oder Ziel-ROAS ist bei AI Max besonders gefährlich. Da AI Max den Suchraum drastisch ausweitet, verbrennt das System ohne feste Grenzen das Budget für teure, unrentable Klicks. Pflicht: Immer tCPA oder tROAS als Ankerpunkt setzen.

Datenqualität Die KI ist nur so gut wie ihre Eingangsdaten. Offline-Conversion-Imports (CRM-Daten) und Enhanced Conversions müssen fehlerfrei laufen. Fehlerhafte Conversion-Signale führen dazu, dass die KI auf Basis von Spam-Leads oder unvollständigen Daten optimiert.

Was bedeutet das für Agenturen?

Erstelle eine interne AI Max Readiness Checklist für Kunden-Onboardings und Quartalsreviews. Kunden mit unter 30 Conversions/Monat oder Tagesbudgets unter 200 EUR sollten AI Max erst aktivieren, wenn diese Schwellenwerte erreicht sind — und das gegenüber dem Kunden transparent kommuniziert werden.


Das STAB-Framework: Wie Agenturen AI Max strategisch steuern

Da manuelles Keyword-Bidding mit AI Max faktisch endet, verlagert sich die Agentur-Arbeit auf das strategische Definieren von Leitplanken. Das STAB-Framework (Structure, Terms, Assets, Bidding) hat sich als praxistauglicher Standard etabliert:

Structure — Kampagnenkonsolidierung Statt vieler kleiner Kampagnen: Konsolidierung auf maximal 1–5 Kampagnen pro Konto, um die notwendige Datendichte (100–150 Conversions pro Kampagne) zu erreichen. Im E-Commerce werden Produkte nach Performance geclustert: Heroes (Top-Performer, 70–80 % des Budgets), Sidekicks (Wachstumskandidaten, 15–20 %) und Zombies (werden aus AI Max-Kampagnen entfernt).

Terms — Negatives als Kernkompetenz AI Max braucht Freiraum zur Erkundung — aber unkontrollierten Junk-Traffic muss die Agentur rigoros blockieren. Umfassende Negative-Keyword-Listen auf Kampagnen- und Anzeigengruppenebene sind die wichtigste Schutzmaßnahme. Besonders kritisch: Wettbewerber-Markenbegriffe (in Tests kursierte AI Max bis zu 69 % der Impressionen über Competitor-Begriffe).

Assets — Die Agentur als Kreativstudio Da AI Max Anzeigentexte dynamisch generiert, liefert die Agentur den Rohstoff: maximale Asset-Variationen (15 Bilder, 5 Videos, alle Headline-Slots befüllt), regelmäßiger Refresh im 2–4-Wochen-Rhythmus. Entscheidend: Text Guidelines (verfügbar seit Februar 2026, pro Kampagne bis zu 25 Term-Ausschlüsse und 40 Messaging-Restriktionen) konsequent einsetzen, um Markensicherheit zu gewährleisten.

Bidding — Taktische Gebote auf Basis wirtschaftlicher Backend-Werte Gebote werden nicht täglich angepasst, sondern strategisch auf Basis echter Backend-Daten (CRM-LTV, tatsächliche Margen) verankert. tCPA oder tROAS als einzige zulässige Strategien.

Was bedeutet das für Agenturen?

STAB eignet sich als internes Qualitätsstandard-Framework für AI Max-Kampagnen. Jedes Kunden-Setup sollte gegen alle vier Dimensionen geprüft werden — beim Onboarding, bei Kampagnenstarts und im Quartalsaudit.


Die "Power Pack"-Strategie: AI Max als Teil eines Full-Funnel-Systems

Google positioniert AI Max nicht als Einzelprodukt, sondern als Baustein einer dreigliedrigen Power Pack-Architektur, die den gesamten Customer Journey abdecken soll:

| Kampagnentyp | Funnel-Position | Budget-Anteil | Funktion | |---|---|---|---| | Demand Gen | Top/Mid-Funnel | 10–20 % | Nachfrage erzeugen (YouTube, Discover, Gmail) | | AI Max for Search | Mid/Bottom-Funnel | 30–40 % | Nachfrage abfangen (präzise Suchintention) | | Performance Max | Bottom-Funnel | 50–60 % | Kanalübergreifend konvertieren |

Dieser Ansatz hat in dokumentierten Tests messbare Vorteile gezeigt: L'Oréal erzielte mit einer vergleichbaren Kombination eine Verdopplung der Conversion-Rate bei gleichzeitig 31 % niedrigerer Cost-per-Conversion. BYD generierte 24 % mehr Leads bei 26 % niedrigeren Kosten pro Lead. MyConnect (australischer Versorger) erzielte 16 % mehr Leads bei 13 % geringerem CPA — mit 30 % der Conversions aus völlig neuen Suchanfragen.

Wichtiger Hinweis: Diese Fallstudien stammen aus gut strukturierten, datenreichen Accounts mit ausreichend Conversion-Volumen. Sie sind nicht repräsentativ für das Durchschnitts-Konto.

Kritischer Punkt für die praktische Umsetzung: AI Max und Performance Max konkurrieren intern um denselben Traffic. Ohne klare Kampagnenprioritäten und Marken-Ausschlüsse auf PMax-Ebene entsteht eine interne Gebotsspirale. Agenturen müssen die Budgetverteilung und Kampagnenprioritäten im Power Pack explizit steuern.

Was bedeutet das für Agenturen?

Evaluiere bei jedem Kunden, ob die Voraussetzungen für ein Power Pack gegeben sind (ausreichend Budget, Conversion-Volumen, Creative-Assets). Für kleinere Kunden ist das Power Pack überdimensioniert — hier ist eine konsolidierte AI Max-Suchkampagne mit strikten Leitplanken der realistischere Ansatz.


Das Search Partner Network: Die vergessene Budgetfalle

Ein oft übersehenes Risiko bei AI Max: das Google Search Partner Network (SPN). Durch das keywordlose, intent-basierte Targeting von AI Max landen Impressionen und Klicks häufig auf Partner-Websites, die unter Qualitätsproblemen leiden.

Messwerte aus Praxistests:

  • SPN-Traffic in AI Max- und PMax-Kampagnen führt zu einem um 63 % niedrigeren ROAS
  • Bis zu 73 % höhere CPAs im Vergleich zu google.com-Traffic
  • Signifikanter Anstieg von Invalid Traffic (IVT) — Klicks, die nie zu Conversions führen

Die Empfehlung führender PPC-Experten ist eindeutig: Das Search Partner Network bei AI Max-Kampagnen standardmäßig ausschließen oder engmaschig überwachen. In Google Ads: Kampagneneinstellungen → Netzwerke → "Suchnetzwerk-Partner einbeziehen" deaktivieren.

Was bedeutet das für Agenturen?

Prüfe alle laufenden AI Max-Kampagnen auf SPN-Anteil und segmentiere die Performance nach Netzwerk. Wenn SPN-Traffic schlechter performt als google.com-Traffic, sofort ausschließen. Tools wie smec's kostenloser Placement Scanner helfen, toxische SPN-Platzierungen automatisiert zu identifizieren.


Tools für das AI Max Management

Das Agentur-Toolset verschiebt sich mit AI Max von manuellen Optimierungstools hin zu Steuerungs- und Überwachungsplattformen:

Native Google-Tools (kostenlos)

  • Integrierte Upgrade-Tools: Für die DSA-Migration bereitstehend im Google Ads Interface — portiert Einstellungen, historische Daten und URL-Ausschlüsse
  • Google Ads API + MCP Servers: Ermöglicht natürlichsprachliche Account-Analysen, Conversion-Fehlerdiagnose und GAQL-Validierung für technische Teams
  • Data Manager API: Für Offline-Conversion-Imports (CRM-Daten zurückspielen an Google-Algorithmus)

Drittanbieter (kostenpflichtig)

  • groas (ab ~50.000 USD/Monat Adspend): Autonome Steuerungsebene über AI Max — überwacht Suchanfragen in Echtzeit, fügt Negative Keywords innerhalb von Stunden hinzu, optimiert Creative-Asset-Rotationen
  • smec AI Max Triage Script (kostenlos): Filtert und priorisiert die Datenflut aus AI Max-Berichten (Hunderttausende Suchterm-Kombinationen)
  • TrafficGuard: Schutz vor Invalid Traffic — filtert Bot-Klicks serverseitig heraus, bevor sie die KI-Algorithmen als Conversion-Signal korrumpieren
  • Ryze AI (200–800 USD/Monat): Automatisiertes Client Reporting für Agenturen — zieht Daten aus Google Ads, Meta und weiteren Kanälen und generiert fertige Kundenberichte

Fazit & Handlungsempfehlungen

Die DSA-Migration ist kein optionaler Schritt, sondern ein erzwungener Paradigmenwechsel. Die entscheidende Frage für Agenturen ist nicht ob, sondern wie kontrolliert dieser Wechsel vollzogen wird. Wer bis September wartet, verliert die Kontrolle über die Kampagnenstruktur. Wer jetzt handelt, kann die Leitplanken setzen.

Das kannst du diese Woche umsetzen:

  1. DSA-Audit starten: Inventarisiere alle laufenden DSA-Kampagnen aller Kunden. Notiere Budgets, Conversion-Volumen und aktuelle Performance-Benchmarks (CPA, ROAS der letzten 90 Tage) — das ist die Baseline für den Erfolgsvergleich nach der Migration.

  2. URL-Ausschlusslisten definieren: Gehe für jeden Kunden durch die Domain-Struktur und erstelle eine Liste der URLs, die nicht als Ziel für Paid Traffic dienen sollen (Datenschutzseiten, Blogs, inaktive Unterseiten). Diese Ausschlüsse müssen vor der Migration in Google Ads hinterlegt werden.

  3. AI Max Readiness Check pro Kunde: Welche Kunden erfüllen die Mindestvoraussetzungen (100+ Conversions/Monat, 15x Ziel-CPA als Tagesbudget)? Nur für diese Kunden sollte AI Max aktiv empfohlen werden. Für alle anderen: geplante Migration ohne aktive Feature-Nutzung.

  4. Text Guidelines einrichten: Für alle Kunden mit AI Max-fähigen Accounts sofort die Text Guidelines konfigurieren (25 Term-Ausschlüsse + 40 Messaging-Restriktionen). Beginne mit den kritischsten Brand-Safety-Anforderungen des jeweiligen Kunden.

  5. Search Partner Network prüfen und ggf. ausschließen: Segmentiere aktuelle Kampagnen nach Netzwerk-Performance. Bei schlechter SPN-Performance sofort deaktivieren und als Standard für neue AI Max-Kampagnen übernehmen.

Dieser Report wurde KI-kuratiert von OMfire. Alle Quellen sind im Text verlinkt.